Freie Märkte sind ein Rückschritt zu steinzeitlichem Faustrecht

Seit gut zwei Wochen bin ich Zeitzeuge einer Begebenheit, die obige Aussage bestätigt. Prinzipiell sollte es eigentlich jedem halbwegs gesunden Menschenverstand einleuchten, dass freie Märkte ganz sicher nicht human sind und sich gegen alle Menschen kehrt, die nicht stark (reich), also nur geringe bis gar keine Mittel zur Verfügung haben, was dann wohl der erschlagenden Mehrheit entspricht, doch scheint die Idee von freien Märkten romantisiert mit Freiheit gleich gesetzt zu werden. Aber vielleicht ist es gar noch schlimmer und wir halten in der Mehrheit deshalb daran fest, weil wir daran glauben.

Welche unbeugsame Kraft Glaube darstellt, zeigt sich wiederum daran, dass eine Kirche in Vertretung des Herrn, über Jahrhunderte hinweg den Menschen viel Leid zufügen und Wissen (Erkenntnisse) vorenthalten konnte und dennoch bis heute insbesondere von jenen respektiert und ehrfürchtig geachtet wird, die von dieser institution indirekt mit Füßen getreten wird. Es existiert nicht grundlos ein Spruch, der da lautet: „Halt Du sie dumm, ich halt sie arm.“ So die Worte eines Kaisers zum Pabst.

Doch will ich mich nun auf das „Zeitzeugnis“ beziehen. Eine Mutter mit zwei Kindern (8 und 13) fand nach langer Suche eine Wohnung am südlichen Rand Berlins, denn je näher man zum Zentrum will, desto unbezahlbarer werden diese, zumindest in der Neuanmietung. Sozialen Wohnungsbau gibt es nicht mehr. Wir leben ja nicht mehr in einer sozialen Marktwirtschaft, sondern in einer marktwirtschaftlich orientierten Demokratie. Das heißt dann, Wirtschaftsmärkte werden ihren eigenen (humanistisch) selbstregulierenden Mechanismen überlassen. Dergleichen führt dann zu sehr geringen Löhnen, denen sehr hohe Lebenskosten gegenüber stehen. Selbst für zwei Arbeitende ist es heutzutage schon schwer den Lebensunterhalt zu bestreiten, für eine Person ist das kaum noch möglich. Immer mehr sind auf finanzielle Unterstützung durch den Staat angewiesen, was einer indirekten Stützung eines kranken Wirtschaftssystem durch die Allgemeinheit (Steuern -> Sozialleistungen) entspricht, denn angeblich sind Unternehmen nicht wettbewerbsfähig, wenn sie höhere Löhne zahlten.

Das heißt ja dann wohl, dass diese Unternehmen im Grunde krank weil unrentabel sind. Wie sonst wollte man Unternehmen bewerten, die die Arbeitsleistung, die diese benötigen, nicht angemessen bezahlen können? Aber unseren Unternehmen und Unternehmern geht es gut. Das entspricht ja dann auch dem Fazit unserer Kanzlerin: „Uns (Deutschland) geht es gut!“ Es fragt sich wer genau damit gemeint ist, denn den Menschen, geht es alles andere als gut. Indes das BIP (BruttoInlandProdukt), früher BSP (BruttoSozialProdukt) – interessant ist der Wechsel von „sozial“ auf „inland“ – lässt eine gesunde Wirtschaft vermuten. Für Wenige gilt das auch.

Doch ich komme vom eigentlich Punkt weg. Es geht um die Wohnung. Selbige, die ich für die nicht in Berlin lebende Mutter fand und auch bevollmächtigt die Übergabeverhandlung abwickelte, zeigte bei den kurz darauf vorgenommenen Renovierungsarbeiten erhebliche Mängel – das Wasser floß nicht nur durch dafür vorgesehene Wasserhähne, sondern von der Decke und es zeigte sich Schimmelbefall in zwei Räumen, als ich die Tapete ablöste.

Das fließende Wasser von der Decke, ließ uns, eine helfende Freundin und mich, zunächst einen Unglücksfall in der darüber liegenden Wohung vermuten. Doch weit gefehlt. Die Nachbarin erklärte uns, dass das nichts Neues ist. Sie habe sich nur ihre Haare gewaschen. Überhaupt verzichte sie seit Jahren darauf zu baden und dusche sich stets nur schnell ab, was dann aber trotzdem immer wieder zu Sturzbächen geführt haben muss. Dieses sei auch der Grund für den Auszug der Vormieter. Mietkürzungen etc. hätten wohl keine Abhilfe geschafft.

Das bedeutet also, dass die Wohnungsinhaberin (GSW AG) vertreten durch die Deutsche Wohnen Kundenservice GmbH die Mieten von vorne herein so hoch ansetzen, dass selbst bei Mietkürzungen noch Gewinne erzielt werden, weshalb dann auch nicht darauf reagiert wird. Die Wohnung ist also vorsätzlich in diesem gesundheitsschädigenden Zustand vermietet worden. So etwas nenne ich vorsätzliche Körperverletzung!

Fristen per anwaltlicher Aufforderung sind abgelaufen, das Bauaufsichtsam zeigt sich gegenüber diesem „Riesen“ ohnmächtig und auch ein Stadtrat informiert, brachte bisher keine Unterstützung. Erst ein Anruf durch einen Redakteur einer großen Berliner Tageszeitung (BZ) brachte eine erste Reaktion seitens der Deutsche Wohnen, die zumindest telefonisch Abhilfe in Aussicht stellte.

Ich denke hier zeigt sich, was logischer Weise das Resultat freier Märkte ist. Jene die groß und mächtig sind, diktieren jenen, die sich nicht oder kaum wehren können. Das kommt dem steinzeitlichen Faustrecht gleich. Was mich dann fragen lässt, was hat das mit Zivilisation zu tun? Große technische Errungenschaften stehen einem affenähnlichen Denken und Verhalten zur Verfügung.

Wenn ich dann an Worte seitens der Politiker denke, die uns stets einreden wollen, dass wir in einer europäischen Wertegemeinschaft leben, kann ich nur noch laut lachen. Das Tragische daran ist, dass in der Tat ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung solchen Hirnblähungen Glauben schenkt!

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3 Kommentare zu „Freie Märkte sind ein Rückschritt zu steinzeitlichem Faustrecht

  1. Denken sie nicht, dass es wohl eher das akkumulierte Kapital der Vermögenden ist, das auf der Suche nach harten Werten, diese zum Teil in Immobilien findet, was die Wohnkosten in die höher treibt? Man kann sagen, Immobilien sind heute teuer, genauso gut kann man aber auch sagen, dass wir auf dem Immobilienmarkt eine Inflation haben. Und da frisch gedrucktes Geld – und das stellt Geld aus Kapitalerträgen meist dar – immer den Erstempfänger begünstigt, benachteiligt dies in Sachen Wohnkosten den Großteil des Volkes. Somit wäre es keine Folge des freien Marktes, sondern eine Folge der Regulierung des Finanzmarktes.

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    1. Ist nicht der Finanzmarkt ein Teil des (Gesamt)Marktes?

      Und ist eine Regulierung eben nicht eine Einschränkung der viel geforderten Freiheit, die „Innovationen“ und „Phantasie“ beschneiden?

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  2. Genau so ist es. Über den Finanzmarkt (Monopol der Zentralbank) wird kapital umverteilt, hin zum schon vorhandenen Kapital. Diese Regulierung macht überhaupt erst Regulierungen an anderen stellen notwendig, sodass in anderen märkten hin zu den untersten Schichten umverteilt werden muss (Stichwort Sozialer Wohnungsbau und überhaupt alle Sozialleistungen). Die Quelle der Verteilung stellen hier die Leistungsträger der oberen Unterschicht bis hin zum oberen Mittelstand dar.

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